Der erste Roll-Out – ab in die Grüne Hölle!


So, diesmal meldet sich Daniel aus dem Cockpit des Ring-C30.

 

Am 25. März war es endlich soweit. Charleen hatte inzwischen mit einem guten Freund von uns ordentlich geschraubt, um rechtzeitig für das erste freie Fahren alle Fahrwerksteile ins Auto zu bekommen. Da hatte sich mittlerweile über die letzten Monate ein ganzer Haufen Teile angesammelt, u.a. das Bilstein B14 Gewindefahrwerk, ein Set untere Domstreben von Ultra Racing, die Drehmomentstütze von AS Autospecialists und die (neuen) gebrauchten Team Dynamics Pro Race 1.2 (die übrigens auch optisch der Hammer sind, das Anthrazit knallt richtig mit dem Royal Blau). Da wurde kräftig in die Hände gespuckt! Auf den Felgen haben wir vorerst noch die neuen Winterreifen gelassen, vorn neue Continental WinterContact TS 860 und hinten neue Goodyear UltraGrip 8. Bei dem unbeständigen Wetter zu dem Zeitpunkt die sichere und richtige Wahl. Wir fahren schließlich Volvo!

 

Die Anreise verlief abgesehen vom wenig überraschenden Stau-Chaos auf der A7 relativ unspektakulär. Die Geräuschkulisse der unteren Streben (siehe Bereicht zum Umbau) ist im Alltag heftig, aber man gewöhnt sich dran. Im Gesamtkonzept fügt es sich am Ende stimmig ein, because racecar und so. Die Fahrbarkeit auf der recht langen Anreise, die uns dieses Jahr ja häufiger bevorsteht, ist sehr gut. Auf Sommerreifen wird auch der Abrollkomfort nochmal besser. Das Fahrwerk macht sich schon auf der Autobahn deutlich positiv bemerkbar. Im Gegensatz zu den Seriendämpfern, die durch die viel zu starke Tieferlegung der Eibachfedern komplett aus dem Arbeitsfenster gekommen sind und deshalb selbst bei kleinen Anregungen lange und penetrant nachwippen, liegt der C jetzt straff, aber angenehm. Der Aufbau beruhigt sich nach Anregungen insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten deutlich schneller, sodass das Fahrverhalten insgesamt viel ausgewogener und kalkulierbarer geworden ist. Klare Empfehlung, so wie ich es auch aus meinem C30 seit etwa sieben Jahren kenne.

 

Der Sonntag selbst beginnt dann eher durchwachsen. Beim Aufbruch in Hennef zeigt das Thermometer knapp unter 0°C. Und für die Eifel hat der Wettergott ja bekanntlich nochmal ganz eigene Scherze auf Lager! Das kann ja heiter werden. Aber Vorteil Volvo: Nach wenigen Minuten hat der T5 alles durchgewärmt und die Anreise erfolgt im muckelig geheizten Wagen. Soviel Komfort muss sein.

 

Und wir können es kaum glauben, aber je mehr wir uns der Nordschleife nähern, desto mehr übernimmt Kollege Sonnenschein die Rolle des Aufheizers. Die ehrwürdige Eifel-Achterbahn empfängt uns mit traumhaftem Spätwinter-/Frühfrühlingswetter und einer zumindest zu Beginn überschaubaren Anzahl mutiger Vollgas-Jünger. Gleich packt uns die Aufregung. Alles so schön benzinig hier! Und keine Weltverbesserer in Sicht, für die Autofahrer irgendwo zwischen Kim Jong-un und einem mittelgroßen Eitergeschwür rangieren. Einmal durchatmen und genießen: herrlich!

 

Dann geht es irgendwie sehr schnell: vier Tickets in der App gekauft, in die Schlange eingefädelt, und dann hebt sich auch schon die Schranke zur Start-Ziel-Geraden für unsere allererste Runde Nordschleife! *kreisch* Aber Charleen bleibt hinterm Steuer lässig-entspannt und reißt die Gänge routiniert durch. Adrenalinspiegel zack rauf, man ist sofort fokussiert. Die 20,832km fliegen nur so an uns vorbei, ganz klarer Rookie-Rundenrekord, was sonst! Dass uns gefühlt 98% der anderen Autos überholen, muss wohl daran liegen, dass wir aus Versehen in eine Horde Profifahrer geraten sind…

 

Gut, genug Stimmung erzeugt! Was kann der Wagen, bzw. welche Auswirkungen haben die neu verbauten Teile? Auch wenn sich durch den gleichzeitigen Einbau der Teile und den fehlenden Vergleich mit dem Originalzustand die Auswirkungen der einzelnen Komponenten nicht ganz klar einzeln herausfiltern lassen, versuche ich mal, es aufzudröseln.

 

Die Drehmomentstütze wirkt sich deutlich spürbar auf den Schaltkomfort und das Ansprechverhalten nach Lastwechseln aus, und zwar rundum positiv. Die zuvor (und auch in meinem C30) bis in den Schalthebel spürbaren Lastwechsel insbesondere beim zügigen Schalten, die durch das Kippmoment der Einheit aus Motor und Getriebe hervorgerufen werden, sind deutlich weniger spürbar bis fast gänzlich weg. Das M66 ist ab Werk schon ein tolles Getriebe, präzise, kurze Wege, trotzdem komfortabel. Aber mit der Drehmomentstütze wirkt die Schaltung nochmal wie entfesselt. Für den Preis ein absolutes Muss!

 

Mit dem Bilstein-Fahrwerk liegt der C30 angenehm straff, wie oben bereits beschrieben. Gott sei Dank nicht bretthart, das würde weder zum Anspruch des Reisekomforts noch zum Anforderungsprofil der Nordschleife passen.

 

Die unteren Domstreben bekunden zwar akustisch permanent ihre Anwesenheit, liefern aber auch ordentlich ab. In Kombination mit den leichteren Felgen ist das Einlenken eine andere Welt als in meinem C30. Für einen Volvo sehr direkt, aber nicht nervös. Dieses Gefühl aus dem Serienzustand, dass zwischen Lenkimpuls setzen und der Reaktion des Fahrzeugs immer so ein Stück extralange, leicht labberige schwedische Schnur gespannt ist, ist weitgehend weg. Er lenkt sich präzise, könnte man jetzt fast sagen.

 

Eine traumhafte Kombination auf der Strecke ist die Kombination B5254T7 – M66 – Quaife-Sperre. Das füllige und früh anliegende Drehmoment, die tolle Schaltbarkeit des Getriebes und die sehr gute Traktion auch unter Last z.B. im Bereich Ex-Mühle sind eine Wucht und besonders für uns Rookies ein Segen. Die Kombination lässt immer mindestens den dritten Gang zu, und selbst wenn man mal ein Runterschalten vergisst, juckt das den T5 herzlich wenig, er drückt eben deutlich besser, als dass er dreht. Rundum klasse.

 

Ganz wichtig: Auch die Serien-Bremse übersteht die vier Runden vollkommen klaglos. Klar wurde sie noch nicht wirklich gefordert, dennoch ist es eine Erwähnung wert, da die Nordschleife doch eine Herausforderung für diese Baugruppe darstellt.

 

Viel mehr gibt es ansonsten gar nicht zu berichten. Das Verarbeiten des Erstkontakts, das Klarkommen mit dem Touristenverkehr, die ganze tolle Atmosphäre der grünen Hölle erzeugen mehr Gefühle als konkret abrufbare Einzelerinnerungen. Das wichtigste: Der C30 präsentiert sich für das erste Herantasten bestens gerüstet. Wir freuen uns auf die erste GLP!

 

Übrigens! Vor zehn Jahren hatte der Ring-C30 bereits sein Debüt auf der Nordschleife. Er wurde damals gegen den VW Scirocco getestet.

Den Artikel inklusive der Story zu den 8m 44s Rundenzeit auf der Nürburgring-Nordschleife findet ihr hier.

 

Und noch was Schönes zum Schluss. Nicht nur wir „testen“ fleißig in der grünen Hölle. Auch Volvo selbst scheut die Anreise aus Schweden offenbar nicht, um dem neuen XC40 den letzten Schliff zu verpassen. 😊

 

Picture by Daniel Schumann