Die ersten Schritte in Richtung Motorsport...


Wie kam der Wunsch eigentlich auf, in den Motorsport einsteigen zu wollen?

Da muss ich die Zeit etwas zurückdrehen. Schon als kleines Kind war das Gokart eines meiner liebsten Spielzeuge für den Zeitvertreib im Garten. Im frühen Jugendalter saß ich dann im Rennkart und war sofort begeistert von der Geschwindigkeit. Ich konnte es kaum abwarten, meinen Führerschein zu machen und endlich Auto fahren zu dürfen. Mit Erhalt meines Führerscheins bestand dann der konkrete Wunsch, auch selbst mal auf der Rennstrecke zu fahren. Wenn man jedoch keinen direkten Kontakt zum Motorsport hat, ist die Erfüllung dieses Wunsches sehr weit entfernt, zumal auch die finanziellen Möglichkeiten und der fahrbare Untersatz nicht damit zu vereinbaren waren. Ehrlicherweise muss man ergänzend auch noch zugeben, dass Hamburg logistisch gesehen keine geographische Toplage ist, um "mal eben" zur Rennstrecke zu fahren.

Die Begeisterung für Autos und den Motorsport blieb dennoch erhalten und so flogen die Jahre vorbei. Bis zu jenem Tag im Jahr 2017, als ein lieber Freund mich zu einem Trackday mitgenommen hat. Sein fahrerisches Können und sein Tracktool haben schon einen ordentlichen Eindruck hinterlassen und erinnerten mich an den Wunsch, auf der Rennstrecke selbst am Steuer zu sitzen. Dies war der finale Auslöser, mich mit dem Gedanken zu befassen, wie ich diesen Wunsch in die Tat umsetzen kann. Wäre ein Trackday auch etwas für mich? Welche Events gibt es darüber hinaus noch, die interessant für mich sind? Ich bin vorher noch nie auf einer Rennstrecke gefahren - wie sammle ich also Erfahrung und wie gehe ich dieses Thema am besten an? Nehme ich meinen C30 dafür? Was muss ich dafür tun, damit das Fahrzeug zum Vorhaben passt?

 

Nachdem also der Entschluss gefasst war, in den Motorsport einzusteigen, musste ich mir zuerst darüber klar werden, wie das im Detail aussehen soll. Welche Serie bzw. welche Events möchte ich mitfahren? Welchen Anforderungen muss ich selbst gerecht werden? Welche Umbauten müssen dafür am Fahrzeug vorgenommen werden? Wo bekomme ich bei Fragen Unterstützung? Fragen über Fragen...

Da sich wahrscheinlich einige Interessierte diese Fragen stellen und ebenso ratlos sind, wie man dieses Thema angeht, möchte ich hier nun meine Antworten und Erfahrungen darauf liefern. Die Links zu den Seiten werde ich am Ende des Artikels zur Verfügung stellen. 

 

Vorab sollte man sich einige Fragen stellen:

  • Habe ich bereits Erfahrung auf der Rennstrecke? Wie tiefgehend sind diese Erfahrungen? 
  • Welches Fahrzeug möchte ich für dieses Vorhaben nehmen? Soll es ein reines Rennstreckenfahrzeug oder ein kleiner Kompromiss werden, damit ich das Fahrzeug auch noch legal auf der Straße bewegen kann?
  • Was erwarte ich selbst davon?
  • Gibt es bereits Freunde und Bekannte, die Erfahrung im Motorsport haben?
  • Was kostet das Vorhaben Motorsport in Summe für mich?

Unterstützung und Erfahrungen von anderen sind Gold wert!

Ich nehme Vorweg, dass ich bei jeglichen Fragen zu beispielsweise Fahrzeugumbau, Rennserie etc. große Unterstützung von Freunden habe. Ohne die Hilfe und Erfahrung von Freunden und Bekannten wäre ich sicher nie so schnell vorangekommen und bereits an Kleinigkeiten gescheitert.

Eine sehr große Hilfe war auch der Besuch auf der Essen Motor Show! Am Stand der RCN hat man uns mehr als nur ausführlich beraten und wirklich sehr hilfreiche Tipps und Tricks gegeben, was die RCN-GLP anbelangt. Auch beim DMV und weiteren Ständen war man sehr hilfsbereit und konnte alle offenen Fragen klären. Ein guter Tipp war auch, ein entsprechendes Fahrsicherheitstraining mit dem Fahrzeug zu machen, um bereits vor dem Befahren einer Rennstrecke die Grenzen des Fahrzeugs einschätzen zu können. Es wäre ziemlich unpraktisch, wenn man dies erst auf der Rennstrecke macht und die Grenzen dann womöglich reißt.

 

Welche Serie ist für den Anfang geeignet?

Auf der Suche nach Antworten habe ich sehr viel Zeit in Internetrecherchen gesteckt. Ich habe unterschiedliche Rennserien verglichen: Was ist der Unterschied zwischen den einzelnen Serien, was gibt es für Alternativen für Einsteiger? Und was bedeutet überhaupt die FIA Norm? Richtlinien wurden nächtelang studiert und Informationen über Motorsportveranstaltungen und -vereine wie Schokolade aufgesogen. Sehr hilfreich ist auch die Tatsache, dass ein Bekannter aus der Volvo-Szene aktiv im Motorsport ist. So kam schnell der Link über die Volvo Trophy zur RCN-GLP.

Die RCN-GLP (GLP steht für Gleichmäßigkeitsprüfung) ist aus meiner Sicht ein geeigneter Einstieg in den Motorsport für Rennstrecken-Unerfahrene. Es geht nicht darum, so schnell wie möglich über die Norschleife zu kacheln, sondern möglichst genau immer wieder seine Zeit zu treffen. Des Weiteren ist es möglich, mit einem ganz normalen Fahrzeug teilzunehmen, denn eine Straßenzulassung ist Pflicht. Es ist dadurch zum Glück keine FIA Norm erforderlich. Nach einigen Erfahrungsberichten scheint es zwischen den Teilnehmern auf der Strecke auch sehr human zuzugehen. 

Die Serie ist somit für den Einstieg gesetzt! Auf der Seite der RCN-GLP habe ich das Einschreibeformular ausgefüllt, per Post verschickt und das Nenngeld überwiesen. Gut zu wissen: Eine Einschreibung ist nicht zwingend erforderlich! Man kann auch ohne Einschreibung teilnehmen. Eine Einschreibung ist sinnvoll, wenn man mehrere Events mitfahren möchte, da sich dann auch die Gebühr für die Einschreibung dank reduziertem Startgeld amortisiert. Zudem hat man für jeden Lauf einen Startplatz sicher. 

 

Als nächstes stellte sich die Frage: Was benötige ich für einen Start in der RCN-GLP?

Die sehr überschaubaren Richtlinien und Anforderungen verlangen Folgendes (ohne Gewähr, bitte nochmal auf der Seite der RCN-GLP abgleichen):

  • Einen Feuerlöscher im Fahrzeug (2 Kg). Achtung: Dieser muss auch eine gültige Prüfplakette vorweisen!
  • Mindestens eine nationale C-Lizenz
  • Ein Fahrzeug mit Straßenzulassung. Alle Modifikationen müssen vom TÜV abgenommen sein!
  • Einen Beifahrer, der ebenfalls im Besitz einer C-Lizenz ist.

Soweit, so gut! Einen geeigneten Feuerlöscher bekommt man im Internet oder Motorsportbedarf fix besorgt. 

 

Wo bekomme ich jedoch eine nationale C-Lizenz her?

Die Antwort: beim DMSB! Dort kann man sich kostenlos ein Online-Konto anlegen. Nachdem man sich dann erfolgreich online registriert und eingeloggt hat, kann unter dem Menüpunkt "Amateur-Motorsport..." die nationale C-Lizenz beantragt werden. Man muss lediglich im Besitz eines gültigen Führerscheins der Klasse B sein. Achtung! Früher war es möglich, die C-Lizenzen direkt über die Motorsportverbände zu beantragen. Dies ist jedoch seit 2018 nicht mehr möglich!

Angenehmer Service beim DMSB: Es ist möglich, mit PayPal zu zahlen. ;-) Die Registrierung für die RCN-GLP hingegen muss noch ganz old-school-mäßig überwiesen werden.

 

Macht eine A-Lizenz Sinn?

Eine A-Lizenz macht erst Sinn, wenn man Serien wie beispielsweise die RCN oder VLN fährt. Als Einsteiger im Motorsport macht das also nur wenig Sinn. Zumal die A-Lizenz extra erworben werden muss und jährlich, wie jede Lizenz, ebenfalls neu beantragt werden muss. Das bringt in Summe auch einiges an Kosten mit sich. Da die A-Lizenz einem Einsteiger vorerst keine Vorteile liefert, macht der Erwerb vorerst keinen Sinn - meiner Ansicht nach. Denn eine C-Lizenz kann beantragt werden, ohne vorab einen gesonderten Lehrgang besucht zu haben. Außerdem kostet die C-Lizenz derzeit 29 € jährlich (Stand Januar 2018).

 

Mitgliedschaft in einem Motorsportverband - ergibt das Sinn?

Zusätzlich habe ich mich noch für eine Mitgliedschaft im DMV (Deutscher Motorsport Verband e.V.) entschieden. Der Auftritt auf der Essen Motor Show gefiel mir sehr gut und man bekommt bei sämtlichen Fragen zum Motorsport hier Antwort und Unterstützung. Zudem bekommt man die Gebühr für die C-Lizenz gutgeschrieben. Daher sollte man vorher eine Mitgliedschaft in einem der Verbände beantragen, damit die Mitgliedsnummer direkt beim Antrag der Lizenz angegeben werden kann. Auf der Seite des DMSB sind einige Vereine gelistet - so bin ich auch auf den DMV gekommen. Verbände haben meist ein gutes Netzwerk und können entsprechende Hilfe anbieten - das ist vor allem für den Einstieg von Vorteil.

 

Was gibt es noch für Möglichkeiten neben der RCN-GLP?

Grundsätzlich wird die GLP auch von anderen Veranstaltern angeboten - dann auch auf anderen Rennstrecken. Die RCN-GLP findet nämlich auf der Nordschleife des Nürburgrings statt. Für den Einstieg würde sich bestimmt auch der Slalom eignen, oder kleinere Veranstaltungen auf anderen Rennstrecken. Ich bin jedoch fürs Erste bei der RCN-GLP hängengeblieben, da mich auch die Nordschleife sehr fasziniert. Weitere Serien und Alternativen werde ich eventuell nochmal testen, aber vorerst will ich mich ganz auf die RCN-GLP konzentrieren. Über eine Teilnahme an der TimeAttack habe ich auch schon nachgedacht. Jedoch will ich erst einmal Erfahrung auf der Rennstrecke sammeln, bevor ich an weitere Events denke. Der Umbau des Autos wird ohnehin noch einiges an Zeit und Geld verschlingen.

Darüber hinaus kann jedoch auch die Teilnahme an Trackdays durchaus eine Alternative oder Ergänzung sein! Die Anforderungen sind geringer. Eine Straßenzulassung ist meist erforderlich, aber auch Kurzzeitkennzeichen sind bei einigen Veranstaltungen erlaubt. Eine C-Lizenz ist in der Regel ebenfalls nicht erforderlich und auch der Einbau eines Feuerlöschers ist nicht vorgeschrieben. Zudem ist die Benutzung der Rennstrecke nur den Teilnehmern im Rahmen der Veranstaltung vorbehalten. Klarer Vorteil zu den typischen Touristenfahrten. Es gibt einige Anbieter, die Trackdays veranstalten: Beispielsweise wären hier RSR und der DSK zu nennen. Ansonsten bekommt man z.B. auf www.openpitlane.de eine gute Übersicht über diverse Trackdays. Preislich und auch vom Angebot rund um die Veranstaltung gibt es da recht große Unterschiede. Daher lohnt es sich, entsprechend seinen Anforderungen ein passendes Event / einen passenden Veranstalter zu suchen. 

 

Was hat das bislang gekostet?

Bisher sind die Kosten noch recht überschaubar:

  • 100€ Gebühr für die Einschreibung bei der RCN-GLP für eine Saison
  • 29€ für die nationale C-Lizenz für ein Jahr
  • 54€ Mitgliedschaft im DMV für ein Jahr

Dazu kommen jedoch noch der Fahrzeugumbau sowie die Kosten für An- und Abreise, Übernachtung, Benzin, Verschleiß und das jeweilige Nenngeld. Der Großteil der Kosten kommt also erst noch! Eine günstige Angelegenheit wird das sicher nicht, aber hier steht der Spaß im Vordergrund. Am Ende des Jahres werde ich dann in Summe wissen, was das Vorhaben "Einstieg in den Motorsport" tatsächlich gekostet hat.

 

Zusammengefasst:

  1. Werde dir darüber klar, was für dich infrage kommt. Bist du Einsteiger oder hast du bereits einiges an Erfahrung auf der Rennstrecke? Welches Auto soll es werden? Soll es original bleiben oder möchtest du Umbaumaßnahmen vornehmen? In diesem Fall an die Notwendigkeit der TÜV-Konformität in einigen Serien und bei einigen Veranstaltungen denken.
  2. Welche Veranstaltung kommt infrage? Im Internet findet man viele Informationen zu unterschiedlichen Serien. Auch Besuche auf Messen wie der Essen Motor Show können gute Entscheidungsgrundlagen liefern. Es lohnt sich, sich mit den Ansprechpartnern an den Ständen zu unterhalten.
  3. Soll es eine Mitgliedschaft in einem Verband / Motorsportverband sein? Es gibt unterschiedliche Verbände - auch hier findet man viele Informationen zu den unterschiedlichen Angeboten im Internet.
  4. Registrierung beim DMSB und Beantragung der nationalen C-Lizenz. Achtung: Auch der Beifahrer benötigt diese in vielen Fällen!

 

Nachfolgend dann noch die Links zu den wichtigsten Internetseiten:

 

RCN-GLP

http://www.rcn-glp.de/

 

Deutscher Motorsport Verband - DMV

http://www.dmv-motorsport.de/

 

DMSB

http://www.dmsb.de/

 

TimeAttack Germany

http://www.timeattack.de/de/

 

RSR Premium Trackdays

http://www.rsrspa.com/

 

DSK - Deutscher Sportfahrer Kreis

https://www.dskev.de/